Vom Outback in die ganze Welt - die Geschichte von Qantas Airways

Das endlos erscheinende, aber zugleich auch faszinierende Outback, das Zentralaustralien von den bevölkerten und von Stränden gesäumten Küstenstreifen trennt, wird durch ein weiteres Wahrzeichen Australiens ergänzt: Das weiße Känguru auf dem rotlackierten Leitwerk jedes Qantas-Flugzeuges!

Selbst für Betrachter, die Australien noch nicht persönlich kennen gelernt haben, ist das springende Känguru Synonym für die Weite Australiens, die sich im Inneren des Kontinents findet. Nur wenige wissen allerdings, dass eine der modernsten Fluggesellschaften ihre bescheidenen Anfänge ausgerechnet hier im unbewohnten roten Herzen Australiens nahm.

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Die Geschichte von Qantas beginnt im März 1919. Die beiden ehemaligen Flugoffiziere W. Hudson Fysh und Paul McGuiness hören von dem Preisgeld in Höhe von $20.000, das die Regierung den ersten Australiern verspricht, die es schaffen, innerhalb von 30 Tagen von England nach Australien zu fliegen.

McGuiness reist daraufhin nach New South Wales, um dort den millionenschweren Industriellen Sir Samuel McCaughey als Sponsor für ihr Vorhaben zu gewinnen. McCaughey sichert den jungen Piloten seine Unterstützung zu, stirbt aber bevor ein geeignetes Flugzeug gefunden werden kann. Die Nachfolger des Fabrikanten ziehen daraufhin die Unterstützung für das Projekt zurück.

Ein Rückschlag für Fysh und McGuiness, aber sicher auch ein großes Glück für die australische Luftfahrtindustrie. Hätten die beiden Freunde an dem Rennen teilgenommen, hätten sie sehr wahrscheinlich nicht an ihren Flugdienst gedacht, und Qantas wäre nicht aus dem glühenden Outback im Westen von Queensland zu einer der bedeutendsten internationalen Fluggesellschaften aufgestiegen.

Nach dieser großen Enttäuschung übernehmen Fysh und McGuiness den Auftrag des Verteidigungsministeriums, eine Flugroute von Longreach in Queensland nach Katherine im Northern Territory zu erkunden und Versorgungsposten für die Teilnehmer des Rennens entlang der Strecke anzulegen.

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Ihre beschwerliche Reise in einem Ford T beginnt am 18. August 1919. Nach einer Fahrt von 51 Tagen und 2.179 Kilometern durch Regionen, die niemals zuvor mit einem Fahrzeug durchquert worden waren, erreichen die beiden Pioniere den Katherine River. Mit jedem strapaziösen Meter verstärkt sich ihre Überzeugung, dass nur ein Flugdienst die einsam im Outback liegenden Siedlungen verbinden kann.

Nach diesem Abenteuer suchen Fysh und McGuiness wieder Sponsoren für eine finanzielle Unterstützung, diesmal für die Gründung einer Fluglinie und diesmal auch mit Erfolg. Die Viehzüchter sind dem Vorhaben sehr wohlgesonnen, kennen sie doch nur zu gut die Unwegbarkeiten von Reisen im Outback. Hier gibt es weder Straßen noch Brücken über die regelmäßig Hochwasser führenden Flüsse. Der Schwarzboden in Queensland verwandelt sich in feuchtem Zustand in einen dicken, gewaltigen Schlamm, der damals Siedlungen für Monate von der Außenwelt abschneidet.

Ein mächtiger Viehzüchter namens Fergus McMaster ist leicht von den Vorteilen der Luftfahrt zu überzeugen. Sie lernen sich kennen, als McMaster bei der Durchquerung des sandigen Flussbettes des Cloncurry River in Queensland einen Achsbruch erleidet und Paul McGuiness bei der Bergung des Fahrzeuges hilft. Zurück in Brisbane treffen sich Fysh und McGuiness mit McMaster und stellen ihre Pläne für einen Luftfahrtdienst vor, der sich zunächst auf Joyrides und Taxiflüge beschränkt. McMaster ist begeistert und überzeugt Geschäftsfreunde, in das Projekt zu investieren.

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Im August 1920 reisen Fysh und McGuiness zum Mascot Aerodrom in Sydney, um dort einen einmotorigen Doppeldecker vom Typ Avro 504K zu bestellen. Der Kaufvertrag lautet noch auf den Namen "The Western Queensland Auto Aero Service Limited." Der neue Firmenname setzt sich bereits im gleichen Jahr durch.

Am 16. November 1920 wird die Fluggesellschaft unter dem Namen
"Queensland and Northern Territory Aerial Services" in Winton, Queensland gegründet. Ihrem Namen entsprechend war Qantas vorwiegend in eben jenen beiden australischen Bundesstaaten tätig.

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Qantas bietet mit der Doppeldeckermaschine zunächst Flüge zwischen entlegenden Städten und Siedlungen im riesigen, unwirtlichen Outback an. Doch schon wenige Jahre später entwickelt sich die regionale Fluggesellschaft zu einer internationalen Airline: 1935 wird der Flugdienst nach Singapur aufgenommen, in den 40er Jahren kommen Verbindungen nach Großbritannien auf der berühmten Känguru-Route hinzu. Erste Flüge nach Japan und Südafrika folgen und seit 1954 stehen Ziele in den USA auf dem Flugplan. Bereits seit 1952 fliegt Qantas nach Frankfurt und wird Ende 2012 ihr 60-jähriges Jubiläum auf der Deutschland-Strecke feiern.

Heute verbindet Qantas, die älteste Fluggesellschaft der englischsprachigen Welt und die zweitälteste überhaupt, Städte im asiatisch-pazifischen Raum, in Europa, Nordamerika und im südlichen Afrika mit Australien. Insgesamt fliegt Qantas 225 Ziele in 44 Ländern an. Die Qantas Gruppe beschäftigt über 33.000 Mitarbeiter weltweit und befördert jährlich über 46 Millionen Passagiere.

Seit seinen ehrgeizigen Anfängen in den zwanziger Jahren hat Qantas einen weiten Weg zurückgelegt. Aus einer kleinen Fluggesellschaft im Outback wurde eine führende Airline, die ihr Heimatland Australien mit den Metropolen in aller Welt verbindet.